AutorenPreis

Alles über die zum AutorenPreis eingeladenen DramatikerInnen

April 2018. Der Autorenwettbewerb ist seit jeher das Herz des Heidelberger Stückemarkts. Aus allen Einsendungen hat das Festivalteam sechs Theaterautorinnen und -autoren ausgewählt. Ihre neuen Stücke werden am 21. und 22. April in Lesungen vorgestellt. Daraufhin vergibt die Stückemarkt-Jury am 29. April den AutorenPreis des Heidelberger Stückemarkts, der mit 10.000 Euro dotiert ist und von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung finanziert wird. Die Premiere eines der nominierten Stücke wird den Heidelberger Stückemarkt 2019 eröffnen. Die Jury besteht in diesem Jahr aus der Regisseurin Brit Bartkowiak, dem Dramatiker David Gieselmann, der Kulturredakteur Andreas Jüttner, der Lektorin und Dramaturgin Maja Zade und Jürgen Popig, Leitender Heidelberger Schauspieldramaturg und Künstlerischer Leiter des Heidelberger Stückemarkts (gemeinsam mit Holger Schultze).

Daneben gibt es noch den mit 5.000 Euro dortierten, vom Land Baden-Württemberg gestifteten Internationalen AutorenPreis, der an eine*n der drei nominierten Autor*innen des Gastlandes Südkorea vergeben wird. Alle neun Autor*innen beider Wettbewerbe sind zudem im Rennen um den mit 2.500 Euro dotierten PublikumsPreis, den der Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg gestiftet hat.

Die Stücke und Autor*innen des deutschsprachigen Autorenwettbewerbs sind:

becker esther vita© Francoise Caraco

Wildbestand von Esther Becker

Die Geschwister Greta und Hannes leben mit ihrer Mutter in einem Haus im Wald. Doch sie können hier nicht wohnen bleiben. Greta hatte also doch Recht mit ihrer Vermutung, dass sie umziehen müssen. Weil Greta mit Hannes gewettet hat, will sie jetzt sein Telefon haben. Das gibt er nicht freiwillig. Also nimmt sich Greta heimlich das Telefon und will es im Baumhaus verstecken. Aber da liegt jemand. Warum schläft dort ein fremdes Kind? "Wildbestand" erzählt auf poetische Weise von Flucht und Alleingelassen sein.

Esther Becker, 1980 in Erlangen geboren, ist Dramatikerin, Erzählerin, Performerin. Sie absolvierte den Masterstudiengang Scenic Arts Practice in Bern, studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut Biel und am Literaturinstitut Leipzig. Und sie ist Mitglied der Theaterformation bigNOTWENDIGKEIT. Mit "Supertrumpf" war sie 2013 schon einmal zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.

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brandau carsten vita© Stefan Malzhorn

Ortsgruppenleiter von Istanbul von Carsten Brandau

Die 30er-Jahre in Istanbul, eine reichsdeutsche Parallelgesellschaft lädt zum traditionellen Faschingsfest. An der Spitze ein Hamburger Reedereikaufmann, NSDAP-Mitglied, als Ortsgruppenleiter am Bosporus eingesetzt. Dessen Urenkel wiederum, ein arbeitsloser Schauspieler, fängt an sich mit der Familiengeschichte auseinanderzusetzen, reist in die Türkei und taucht immer tiefer ein in einen Zeitstrudel. "Ortsgruppenleiter von Istanbul" vermischt irritierend Vergangenheit und Gegenwart, lässt die 30er-Jahre ins Heute durchschimmern.

Carsten Brandau, geboren 1970 in Hamburg, freier Regisseur und Autor, gewann unter anderem 2015 und 2016 den Mülheimer KinderStückePreis. In seinem neuesten und autobiografisch inspirierten Theatertext stellt er Fragen über autoritäre Herrschaftsstrukturen und wirft unerwartete Perspektiven auf das deutsch-türkische Verhältnis.

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engler leon vita© Henschel Schauspiel

Die Benennung der Tiere von Leon Engler

Der Produkttester Alexander ist auf Leberwurst ausgerutscht und auf die U-Bahn-Gleise gefallen. Dort entdeckt ihn Helena, die den U-Bahnwächter Oskar zu Hilfe ruft. Doch bevor Alexander gerettet werden kann, müssen zunächst die genauen Umstände des Unfalls geklärt werden: War es grobe oder feine Leberwurst, auf der Alexander ausgerutscht ist? Ist er überhaupt ein Mensch, wenn er doch ständig behauptet "eine arme Sau" zu sein? Oder handelt es sich doch um einen Ochsen? Einen Stier? Siebenundzwanzig Waschbären?

Leon Engler, geboren 1989 in Ödwang, studierte Theaterwissenschaft in Wien und Paris. 2011 war er ausgewählter Teilnehmer der Schreibklasse "fundamentals of poetry" in Finnland. Sein erstes Stück "X Jahre Kriegsfreiheit" gewann 2013 den Jurypreis des Newcomer-Wettbewerbs der Drachengasse Wien.

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hornung soeren vita © Arda Funda

Sieben Geister von Sören Hornung

Eine deutsche Familiengeschichte, auf wenige Personen konzentriert: Franziska, ihr Vater, dessen Schwester und Onkel Wolfgang, der Bruder ihrer verstorbenen Mutter. Eine Geschichte, die sich von der Nazivergangenheit über die Stasivergangenheit bis in die Gegenwart erstreckt – und die geprägt ist von Verdrängen und Verschweigen. Über allem schwebt das Märchen von den sieben Geißlein. "Hört auf, euch immer wieder in dieses Märchen zu flüchten, in dem der Wolf die Guten frisst. So etwas gibt es nicht!"

Sören Hornung, geboren 1989 in Berlin, ist Regisseur, Autor und Performer. 2012 gründete er mit Paula Thielecke das Theater Kollektiv Eins. 2016 beendete er sein Regiestudium an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Sein Theaterstück "Sieben Geister" war bereits 2017 für den Osnabrücker Dramatikerpreis nominiert und gewann den Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik 2018.

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silzle rinus vita© Joschka Silzle

Legal Highs von Rinus Silzle

Paula und Peer sind nur aus einem Grund zu Ponzi gefahren: Sie wollen Gras rauchen. Allerdings bietet Ponzi ihnen kein Gras an, sondern das synthetisch hergestellte Curly Spice. Egal, weil nichts anderes da ist, rauchen sie das Kraut. Plötzlich fällt Peer das Atmen immer schwerer und er kippt um. Sie müssen ins Krankenhaus! Aber das geht nicht, denn erstens hätten sie dann die Polizei am Hals und zweitens ist Paulas Auto, eigentlich das Auto ihres Vaters, zugeparkt. Eine rasante Drogenkomödie mit vielen überraschenden Wendungen und liebenswürdigen Figuren.

Rinus Silzle wurde 1992 in Filderstadt geboren. Seit 2014 studiert er Szenisches Schreiben an der Universität der Künste. Sein erstes Stück "Totschlagen" war zu den Essener Autorentagen 2016 eingeladen. Das Jugendstück "Feige & Bananenbox" erhielt im selben Jahr den Sonderpreis zum Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreis und wurde in einer Werkstattinszenierung am Hans Otto Theater in Potsdam gezeigt.

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syha ulrike vita© Christian Kleiner

Drift von Ulrike Syha

Ein kleiner Küstenort. Fremde werden hier argwöhnisch beäugt. Die Jüngeren hingegen würden viel lieber in die anonyme Großstadt ziehen, schaffen es aber nur selten, sich von einer Gemeinschaft abzunabeln, in der jeder mit jedem verwandt oder verschwägert ist und jeder jeden kontrolliert. Als ein tödlicher Unfall geschieht, der vielleicht sogar ein Mord war, brechen alte Feindschaften neu aus, und Verschwörungstheorien greifen um sich. Doch nicht nur das soziale Gefüge wankt: Schon lange nagt die Meeresbrandung an der Landschaft und lässt die bebauten Klippen gefährlich bröckeln.

Ulrike Syha, geboren in Wiesbaden, ist Autorin und Übersetzerin zahlreicher Theaterstücke, war Hausautorin am Nationaltheater Mannheim und engagiert sich in dem europaweiten Netzwerk EURODRAM. Mit ihrem Theaterstück "Autofahren in Deutschland" hat Ulrike Syha 2002 schon einmal am Autorenwettbewerb des Heidelberger Stückemarkts teilgenommen.

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