wieser vitaNadia Wieser © Vivien Oliveira

Honig

Tarja und Tasch liegen in der Dunkelheit und beobachten Honig auf seinem Wachturm – zumindest glaubt Tarja, dass es Honig ist. Sie hat den Soldaten so getauft, weil er so leuchtende Augen hat. Er gehört zum Camp, das in Tarja und Taschs Heimatland stationiert ist. Die Kinder bewundern alle Soldaten in ihren tollen Uniformen. Verspielt und voller Hoffnung begegnen sie den fremden Soldaten und versuchen, in Kontakt mit ihnen zu kommen. Seit drei Jahren sind sie nun schon hier – genauso lange, wie die Väter der Kinder in die Kampfgebiete verschwunden sind. Aber jetzt beginnen die Soldaten, alles bereit zu machen für den Abzug.

Was macht der Abzug einer militärischen Besatzung mit den Einheimischen? Und interessiert das, was nach dem Abzug in dem Land passiert, eigentlich noch irgendjemanden? Nadja Wieser lässt zwei Kinder aus einem Krisengebiet berichten und ermöglicht damit einen ungewöhnlichen Blick auf das Thema.

Nadja Wieser, 1980 in München geboren, studierte in Freiburg und Lille Deutsch, Französisch und Kunst auf Lehramt, anschließend Literarisches Schreiben am Literaturinstitut in Leipzig. Sie arbeitet als Lehrerin und Autorin und übersetzt Theaterstücke aus dem Französischen. Ihre Texte wurden im Rahmen von Wettbewerben in Lesungen oder Werkstattinszenierungen ausgezeichnet und präsentiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig.

 

Zum Text – das Stückporträt

Zum Video – das Autorenporträt

 

 

Nadja Wieser

 

 

Geisterkinder, die wir sind

von Georg Kasch

April 2019. Honig – das klingt wie ein Versprechen: süß, geschmeidig, voller Energie. Honig ist der Name, den das Mädchen Tarja einem ausländischen Soldaten gibt, seiner Augenfarbe wegen. Aber vielleicht auch, weil seine Anwesenheit ein Versprechen ist: auf ein besseres Leben.